#Goldene Mitte

Montag, 25.11.2013

Es fühlt sich noch so an wie gestern. Abschied am Zuggleis, der Flug in ein neues Leben - jetzt liegt alles jedoch 97 Tage zurück.


Was bisher geschah:


Spulen wir ein paar Wochen zurück zum Ende des Outdoor Camps...


Mit dem Auto wurden wir ins altbekannte Großstadtleben befördert und haben uns erneut bei unserer Hostelfamilie in Toronto niedergelassen. Bereits zwei Tage später hat uns Sunwings in die Sonne geflogen - sieben Nächte Cuba standen uns bevor und wir wussten nicht was uns erwartet. Meine beiden deutschen Mädchen haben sich mit mir ein Zimmer in einem drei Sterne Hotel geteilt, jedem von uns war ein Kingsize-Bett bezogen worden und der Urlaub konnte beginnen!


     


Der erste Morgen empfing uns mit kuscheligen 35 Grad Außentemperatur und einem Obstbuffet: Papaya, Mango, Guave, Melone, Annanas so weit das Auge reichen und der Magen tragen konnte. Es stand uns ein Tag voller neuer Eindrücke in Old Havanna bevor. Mit dem hoteleigenen Shuttlebus sind wir in ein uns bisher unbekanntes Leben vorgedrungen. Old Havanna trägt nicht umsonst den Zusatz dass es alt ist - heruntergekommene Häuser, arme und abgemagerte Menschen, kranke Straßenhunde, aufegrissene und vermüllte Gassen - jedoch hochglanzpolierte Chevys und Fords. Doch trotz der offensichtlichen Armut begegnet man vor allem als Tourist, den erstaunlichsten und bewundernswertesten Menschen, die ihr Leben lieben. Gleich fünf Minuten nachdem wir aus dem Bus gestiegen sind, lief uns Eduardo über den Weg. Ein fünfundvierzig jähriger Cubaner, der uns sofort an unserer Hautfarbe, Kleidung und Sprache als Deutsche identifiziert hat und uns in ein Gespräch auf Deutsch verwickelt hat. Kurz darauf lud uns ein cubanisches Pärchen zum Buena Vista Social Club Festival in einer Bar ein. Selbstverständlich ging die Rechnung am Ende auf uns, denn wir hatten ja das Geld ihrer Auffassung nach. 


                                    


Im Grunde genommen verlief jeder einzelne Tag entsprechend dem Muster: Frühstück, nach Havanna eine Runde Touri spielen, an jeder Ecke stehen bleiben und Fotos knipsen, Erdnüsse von Bettlern abkaufen und einen cubanischen Kaffe trinken, Abendbrot essen, einen Kurzen sich gönnen, damit der Magen nicht rebelliert von dem unbekannten Wasser und am Ende des Tages tot ins Bett fallen. Urlaub pur nach nur zweimonatiger Arbeit!


Doch reist man nicht in die Karibik ohne ein Mal in seiem Leben die Wärme des Golf von Mexico zu genossen zu haben, in die Wellen zu rennen, das kristallklare Wasser zu durchbrechen und sich von dem Salzwasser an der Oberflache tragen zu lassen.


Achtung, es folgen Bilder die Fernweh und die absolute Urlaubslust hervorrufen werden, Genuss auf eigne Gefahr:


           


- Unvergesslich - 


Leider zogen uns unsere Pläne  schnell aus den Träumerein, sodass wir bereits am 04/11 wieder im Flugzeug auf dem Weg in die "Heimat" Toronto saßen. Am selben Tag unserer Ankunft ging es mit dem Greyhoundbus nach Ottawa, der Hauptstadt Kanadas, die wir mit Fahrrädern des Hostels erkundet haben und eine weitere, wenn auch kurzweilige kulturelle Pause in Museen eingelegt haben. 


     


Nun sitze ich in Montreal. Eine wunderbare kanadisch-europäische Großstadt, die mir wie eine Kleinstadt erscheint im Vergleich zu den massiven Hochhäusern in Toronto. Seit dem 08/11 sitzen wir hier und ich fomuliere es richtig - wir sitzen. Noch immer im Dreiergespann haben wir uns zwei Wochen durchweg beworben. Da bemüht man sich schon um ein Franzoesisch Abitur und wird dennoch nicht zu einem Einstellungsgespräch geboten. Deshalb sitzen wir - wir sitzen unsere Zeit ab und ärgern uns über die Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit, die uns glauben liess, dass wir hier einfach reinschneien können und einen Job für einen Monat erhalten. Dafür leben wir recht bourgeois und vor allem warm - über eine Webseite konnten wir unsere liebe Familie finden, die uns bei sich in einem Zimmer einmieten lässt für einen Monat. Jedoch bekommen wir als Backpacker endlich zu spüren was es heißt, mit wenig zur Verfügung stehenden monetairen Mitteln zu leben. Das Essen wurde bereits auf zwei Malzeiten am Tag reduziert, da wir keinen Job ergattert haben. Daraus haben wir eine Lehre gezogen und nutzen die uns nun geschenkte Zeit, um uns für unsere nächste Destination zu bewerben: Whistler - dem ehemaligen Austragungsort der Skiwettbewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele von 2010. Ich habe bereits zwei Jobinterviews sicher, ob eine Einstellung folgt steht noch in den Sternen, aber es ist ein Ende der Arbeitslosigkeit in Sicht! Wenn dann immer noch kein Geld wieder in die Kasse kommt, wird das restliche verprasst und ich werde pünktlich zu Weihnachten unterm hoffentlich bereits geschmückten Baum sitzen. 


All das wird sich dann ab dem 03/12 in Whistler zeigen, nachdem wir eine dreieinhalb tägige Fahrt hinter uns gebracht haben, um Kanada von Ost nach West im Bus zu bereisen.


Beim nächsten Mal melde ich mich in einem kürzeren Abstand, es ist nur so viel geschehen;)


Eure Vanessa 

#German Efficiency

Samstag, 26.10.2013

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Acht Wochen harter Arbeit sind vollbracht & die Deutschen haben mit ihrer Arbeitseffizienz und überhaupt dem Willen zu Arbeiten überzeugt...

Gestern wurden wir liebevoll von unseren Hostelfreunden in Toronto empfangen, nachdem wir das Camp verlassen haben. Wenn ich die vergangene Zeit in Worte fassen sollte, wäre mir das gar nicht möglich - davon mal abgesehen, dass mein Deutsch sehr unter den letzten zwei Monaten gelitten hat. Dennoch, anfangs hatten wir bekanntlich unsere Probleme, die Leute waren fremd, die Unterkunft brüchig, die Tiere alle haarig - selbst die Spinnen, das Essen war zu viel, die Kinder zu anstrengend und jetzt würden wir uns nichts sehnlicher wünschen, als zurück zu unserer Familie zu fahren.

Es war eine Zeit voller Neuentdeckungen, Erfahrungen und vor allem Spaß, für den man auch noch bezahlt wurde. Wir haben gemeinsam mit unserem Chef thanksgiving gefeiert, durften an Zeremonien von Einheimischen teilnehmen, sind durch Schnee gelaufen, ich durfte das Auto der Chefin zum Einkaufen benutzen, wir haben Filmnächte in unserer stafflounge veranstaltet, chipmuncks beobachtet, sind Trailer gefahren, am Trapeze geschwungen, Kajak gefahren, haben den Kindern Bogenschiessen beigebracht, in der Küche gearbeitet, Kinder verarztet, unsere Hütte geschmückt und Leute aus der ganzen Welt kennengelernt. Alle sind uns ans Herz gewachsen und die meisten werden wir hoffentlich zu Weihnachten wiedersehen, wenn wir nach Whistler fahren.

Doch bis dahin geschehen noch ganz andere Dinge. Beginnen wir mal mit Kuba. Am Montag geht unser Flug nach Havanna zu einer einwöchigen allinclusive Unterkunft für einen unglaublichen Preis. Urlaub von zweimonatiger Arbeit - wir haben ihn uns verdient, wobei man von keiner schweißtreibenden Arbeit sprechen kann. Zurückkommen werden wir dann am 5.11. und es geht auf nach Ottawa. Übernachtet wird in einem ehemaligen Gefängnis das zu einem Hostel umgebaut wurde, bzw. das Hostel wurde reingebaut. Dann geht es nach Montreal, wo wir bereits eine Wohnung haben, die uns bis Mitte Dezember zur Verfügung steht. Danach treten wir eine dreitägige Kanadareise mit dem Bus an, bis wir schließlich - hoffentlich - Weihnachten im Skigebiet Whistler verbringen werden.
Es bleibt spannend!

Ich halte Euch weiterhin auf dem Laufenden, jetzt müssen wir Besorgungen für Kuba nachgehen.

Eure Vanessa

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#Camp your style

Mittwoch, 18.09.2013

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Tag 27 (knapp 4 Wochen) - bald geht's nach Hause

Gestern Abend beim Lagerfeuer, heißer Schokolade und S'mores meinte eine unserer Australierinnen: "Das ist das Kälteste was ich als Temperatur je erlebt habe!" und eine Stunde später lagen wir alle frierend bei -1Grad Innentemperatur im Bett und konnten kein Auge schließen.

Dafür haben uns die abendlichen Leckereien etwas Energie für die Nacht gegeben: S'mores - eine kanadische Perversion (siehe Bilder oben), die man bei einem netten Plausch am Lagerfeuer selbst macht. Man nehme zwei Cookies die als Sandwich dienen, halte sein Marshmallow in die Flamme - leicht karamellisieren lassen - auf einen der Cookies legen, Schokoladendrops hineinstecken, damit sie schmelzen können und das Sandwich vollenden mit dem übrigen Cookie. Die Kanadier haben eben auch den Hang zum übersteigertem Süßwarenkonsum, bin hier also bestens aufgehoben - hihi! Aber ein kanadischer Freund meinte er hätte die noch nie probiert und wird es auch nicht tun, weil ihm das zu heavy ist. Brian isst dann lieber zum Frühstück fettige Würstchen mit Bacon, Sauce Hollondaise und Frenchtoast und natürlich darf man den Ketchup nicht vergessen.

Heute Abend wiederholt sich das Fest mit der Schulgruppe De la Salle, eine wesentlich entspanntere Meute als die vergangene. De la Salle ist eine Musik und Kunst orientierte Schule und zurzeit besuchen uns die Klassen 9-12 - also eine bunte Mischung. Es macht aber wirklich Spaß mit den Kindern zusammenzuarbeiten. Mein heutiger Nachmittagsjob: über 6 Tennisplätze wachen, in der Sonne sitzen und mit den Schülern zu fachsimpeln. Eben musste ich aufhören zu schreiben, weil ein Mädchen mit mir Tennis spielen wollte - Ihr seht, auch dafür werde ich bezahlt!

Nach dem Abendbrot finden wir uns dann alle wieder bei den Basketballplätzen zusammen, weil diese nachts beleuchtet werden können. Dann wird das Lagerfeuer als einzige Wärmequelle angezündet, es gibt heiße Schokolade, Marshmallows etc. Man kann bei Trapeze seine Gelenkigkeit zur Schau stellen, Beachvolleyball spielen, DJ sein, die Zipline entlangrasen... Es gibt hier wahnsinnig viel zu tun, sogar am Abend und es ist unbeschreiblich toll.

Nach nunmehr zwei Wochen haben wir uns fabelhaft eingelebt. Unsere Cabin nimmt langsam Farbe an, weil ich sie nach und nach dekoriere und irgendwelche Zeichnungen an die Wand hefte. so hängt zB neben Annabells Bett das momentane männliche Gesicht für Hollister. Wir nehmen was wir bekommen, um die brache Hütte zu schmücken.

Jetzt muss ich die Kinder mal zum Bälle einsammeln auffordern, weil es in einer halben Stunde schon wieder Abendbrot gibt. Ich denke an Euch und schicke liebste Grüße!

Eure Vanessa



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#Niagara Fälle, nachträgliche Impressionen

Mittwoch, 11.09.2013

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Wir müssen die Zeit zum 24. August zurückschrauben...

An dem besagten Samstag haben wir uns die $55 Reise zu den Niagara Fällen geleistet. Als Touris wurden wir auf eine Art Cafébusfahrt mitgenommen und wurden stundenlang durch die Landschaft gegurkt. Wir hielten an Weinverkostungsstellen, wurden mit billigem und wässrigem Wein fröhlich gestimmt und es ging in die nächste Touristenstätte. Der atemberaubende Ausblick auf die Wassermassen lies uns dann verstummen. Wahnsinn! Wer sich jemals von den Fällen hat beregnen lassen, wird das so schnell nicht mehr vergessen. Man bekommt blaue Regencapes ausgehändigt und läuft dennoch nass über die Blickebene. Wer sich dann noch die weitere $17 Fahrt mit der Maid of the Mist schenkt, wird vollends in die Niagara Fälle geschifft. Leider war ich zu geizig und habe mir stattdessen die Stadt um die Touristenattraktion angeschaut. Eine Stadt kann man es kaum nennen, vielmehr ist der Ort ein riesen Rummel, der mit Süßwarengeschäften, Waxhouses und Geisterbahnen den Besuchern das letzte Geld noch aus der Tasche raubt. Grausam, aber das ist Amerika.

#Wahano - was?

Dienstag, 03.09.2013
Tag 12

Camp Wahanowin

Wir wechseln den Schauplatz. An Stelle von 30 Grad Sommer und Sonne - Unwetter, Sturm, Nässe. Statt vielen Menschen in einem Dormroom von 10 Mädchen, eine Hütte mit undichtem Dach, Spinnen im Bett und Regen der durch die nichtvorhandenen Fensterscheiben dringt. Welcome to Camp Wahanowin! Ein Outdoor Centre für junge Menschen, die uns ab Sonntag den Schlaf rauben werden. Das beste bisher: Essen satt und megalecker!

Die erste Nacht haben wir überstanden und wurden von einem Tornado ähnlichem Gebilde geweckt: schnell die Schlafsäcke zusammengerafft, Becher im Raum verteilt, damit der Boden nicht noch nässer wird, die Betten weg vom Fenster geschoben und einen Stuhl unter die Türklinke gestellt, damit die Tür nicht von dem Sturm aufgerissen wird. Um 11 sollte es Brunch geben, zum Glück hatten wir es auch unbeschadet zur Küche geschafft. Unser Chef - Pete - läutete zum Appell: Strom und Wasser ist nicht mehr - macht das beste drauß. Super! Wir haben den Tag einfach durchgeschlafen bis zum Abendessen, das die Gemüter wieder aufhellt! Jetzt sitzen wir m Gemeinschaftsraum und lassen den Abend ausklingen.

Ab morgen beginnt die Arbeit, jeder wird dazu angehalten alles zu tun. Bedeutet, wir arbeiten in der Küche, machen Sport, machen sauber, räumen das Gelände frei von den Schäden die der Sturm gebracht hat. Das klingt doch klasse!

Wenn die Kinder kommen, muss dann alles bereit sein und wir sicherlich schon erschöpft ohne dass es überhaupt losging. Ich muss jetzt auch unbedingt schlafen gehen, bin nämlich krank:/ aber werde die Zeit nutzen bis Sonntag, wenn die ersten Kiddies kommen.

Eure Vanessa

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#We rule the world

Donnerstag, 29.08.2013

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Einmal über die Welt regieren - Check!

Ich befinde mich eben ca. 300 Meter über Toronto im CN Tower, dem Wahrzeichen Ontarios und ich sag euch: es ist der hammer! Leider ist die Sicht etwas getrübt, was an dem gestrigen Gewitter liegt, von dem wir in der Stadt überrascht worden.

Es hat sich wieder mächtig viel getan. Die Kurzfassung: ich bin genommen worden für das Camp, treffe immer mehr Deutsche, so hätte ich den Titel eigentlich: "German Invasion" nennen müssen, aber es tut wirklich gut die Heimat zumindest durch die Sprache vertreten zu haben. Da wir jetzt seit einer Woche hier sind und bis heute morgen noch keinen Job hatten, mussten wir uns stark einschränken was Ernährung, Unterkunft und das allgemeine Leben anbelangt. Mein Hauptnahrungsmittel: Ahornsirup-Zimt-Bagel, Kostenpunkt $1,67, das billigste "vollwertige" Essen, das wir hier finden können im kanadischen Starbucks-Tim Hortons. Mehr kann sich nicht geleistet werden. Obwohl wir uns gestern tatsächlich eine Wärme Mahlzeit gegönnt haben: Reis mit Dosengemüse ( Mais, Bohnen, Erbsen und Tomaten ) Das Ersparnis wird dann in die Besichtigung von Touristenatraktionen umgesetzt, oder für die Campausrüstung, siehe Bikini oder kurze Hosen. Jaa, kurze Hosen - wir haben seit unserer Ankunft beachtliche 30 Grad und schwitzen uns zu Tode.

Heute Abend feiern wir unseren neugewonnenen Arbeitsplatz und natürlich das Leben und dass wir hier sein dürfen, das ist ein wahnsinns Gefühl! Danke:)

Am 1. September werden wir vom Campdirektor abgeholt und werden auf die kommenden zwei Monate vorbereitet. Doch bis dahin, ich höre jetzt auf zu schreiben, ich mag den Ausblick noch weiter genießen;) ihr werdet neidisch sein wenn die Bilder folgen!

Cheers, eure Vanessa

#Each day is changing

Freitag, 23.08.2013

Tag 3

Vorauszuplanen ist hier eine Kunst. Gester schrieb ich noch, dass wir nach Montreal übersiedeln wollen, eben wollte ich den Greyhoundbus buchen der erstaunlich günstig ist, da haben wir von einem unwiderstehlichem Jobangebort in einem Jugendcamp gehört, als Outdoor Education instructor unsere Aufgaben wären, als eine Art Animator mit den Jugendlichen:

  • Kanu fahren
  • "Überlebenstrainings" absolvieren
  • mountain biking
  • in der Wildnis kochen etc.

Klingt nach Spaß. Den haben wir uns aber echt vierdient. Eben noch mit einer riesen Last durch Toronto gelaufen, dass alle Hostels belegt sind wegen den Studenten und wir nur noch die heutige Nacht ein Bett haben, hat sich dieses Problem zum Glück auch gelegt. Morgen werde ich mit Annabell in einem Private Room schlafen MÜSSEN - es gibt sonst nichts mehr!!! Kostenpunkt ist dann leider auch $42 pro Person, aber besser als in einem Park neben den Obdachtlosen zu schlafen und sich eine Taube als Kuscheltier nehmen.

Nachdem wir diese Nacht in purem Luxus eines Doppelbettzimmers genießen konnten, wechseln wir in ein Partyhostel, klar - gab sonst nichts. Eine Backpackerin hat uns bereits diverse Dinge erzählt über die Unterkunft: Ratten, Dreck, dafür Alkohol und Party - hey, naja wenn man breit ist, bemerkt man das dann nicht mehr. Gebucht ist bis zum 30.8., dann geht es hoffentlich zu dem besagten Camp. Bewerben müssen wir uns dafür am Montag.

Das Wochenende wird also genossen und sich etwas entspannt, denn es ist wirklich krass hier, riesen Kulturschock, Heimweh und Ausweglosigkeit, die sich aber schnell wieder gibt. Ein hin- und her und keiner weiß, wo er morgen sein wird.

Na dann, bis morgen;)

 

#Einfach wäre zu leicht

Freitag, 23.08.2013

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Tag 2

 

Gestern war mein großer Tag. 24 Stunden durchgängig wach, davon 14 Stunden Reisen (Zug&Flug), 4 Stunden Flughafenaufenthalt in Frankfurt, zwei Stunden in Toronto um an das Immigrationcentre zu kommen und eine halbe Stunde "Heimfahrt" ins Hostel.

 

Die erste Nacht mit quälendem Heimweh und nichtvorhandenen Fenstern in einem 8 Bett Zimmer ist überstanden. Behördengänge wie die Beantragung der Sozialversicherungs Nummer, Eröffnung eines kanadischen Bankkontos, Handykarte kaufen etc. werden morgen erledigt.

 

Die Pläne haben sich auch schon geändert! Aus einer einzelnen Reisenden, wurden ja schon zwei und jetzt sind wir drei Mädels. Da wir bereits einen ersten Eindruck von Toronto bekommen haben, hat sich der Reiseplan schnell umgestellt: statt dem zwei monatigen Aufenthalt in der sehr amerikanischen multikulturellen Großstadt Toronto, werden wir nur 1-2 Wochen hierbleiben. Das Heimweh ist zu groß, die Stadt zu fremd und der Kulturschock zu groß. Was bedeutet - abhauen so schnell es geht, aber alle Sehenswürdigkeiten mitnehmen! Nach dem anstrengenden morgigen Tag, werden wir am Abend halb sechs in den Sonnenuntergang mit dem Kanu um die Toronto Islands fahren. Am Samstag springen wir auf den Bus zu den Niagara Fällen. Eine Übernachtung für Samstagabend steht noch nicht. Problem das wir haben: alle Studenten aus Toronto beziehen ihre Apartments gerade neu und verweilen in der Zeit in den Backpackerhostels, für uns ist dann kein Platz mehr. Mal schauen, ob wir ein gemütliches Plätzchen auf dem Spielplatz finden - nein nein, das wird schon. Jetzt gehen wir erst einmal an das Meer runter. Meinen Geburtstag feier ich jetzt mit einem Scampi im Mund, wenn die nicht doch zu teuer sind, mal schauen. Na dann, bis morgen oder Samstag!

 

Eure verunsicherte Vanessa:)

#Dreizehn & ich wollte schon aufgeben

Donnerstag, 08.08.2013

Es ist eingetreten was ich vermeiden wollte, nämlich einen Blog zu eröffnen und dann nicht weiter zu schreiben. Zumindest habe ich eine gute Ausrede:

Am 2. Juli erreichte mich die Nachricht, dass mir die Einreise nach Kanada verweigert wird. Mein Antrag auf eine kanadische Arbeitserlaubnis wurde abgelehnt mit dem wunderbaren Satz: “Your application as requested is refused“.

Für Work&Travel muss man ein Arbeitsvisum beantragen. Dies findet über einen online Antrag statt, indem man über MyCIC (Citizenship and Immigration Canada) gefühlte fünftausend Formulare ausfüllen muss, während man versucht nicht an Bürokratie zu ersticken. Da ich mich mitten in der heißen Abiphase befand, habe ich es leider verhauen. Ich überlas, dass mein Lebenslauf von einem zertifizierten Übersetzer übersetz werden soll – na toll – und das reimt sich auch noch. Ich war durch und durch verzweifelt. Eine Zukunft, die man sich über zwei Jahre hinweg versucht hat auszumalen und die Koffer eigentlich schon gepackt hat, sollte auf einmal nicht mehr möglich sein. Ich hatte mich bereits voller Verzweiflung mit meinen Eltern zusammengesetzt und wir berieten, was ich anstelle von Kanada machen soll. Da ich leider nach wie vor keinerlei Ahnung habe was ich studieren möchte, ob ich studieren möchte und wohin es mich in der Welt verschlägt und ich derartig fixiert auf meine Kanadaidee bin, wollte ich keine Alternative akzeptieren. Nö.

Da hat mich mein Papa etwas wachgerüttelt: „Warum willst du eigentlich nach Kanada, was ist der große Wunsch hinter diesem Gedanken?“ Klar, einfache Antwort: Wunderschöne Landschaften, mit erstaunlich liebenswürdigen Menschen, Englisch und Französisch in einen Land. „Das kannst du auch in Australien oder Neuseeland haben!“ - Ne du, da gibt’s kein Französisch. „Aber warum willst du unbedingt so weit weg von hier?“ Ich will raus die Welt erkunden, um herauszufinden was ich später machen möchte. Ich suche die Ferne, weil ich mich endlich sammeln möchte, meinen Kopf freibekommen will und meinen Weg gehen möchte. Das will ich und um das zu bekommen, ist es doch eigentlich egal wohin es einen treibt? Okay, dann gehe ich halt nach Neuseeland denn in Australien sind mir zu viele Deutsche.

Am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Nachricht. Ich hatte in der Zwischenzeit auf gut Glück den Antrag auf das Arbeitsvisum erneut gestellt, dieses Mal anscheinend mit Erfolg. Zwar gibt es nur 4.200 Plätze, die Kanada jährlich an uns Deutsche Work&Traveler vergibt und das Kontingent ist schon seit Monaten erschöpft, aber ich darf trotzdem einreisen.

Im Klartext: 21. August 2013 – Flug!


Jetzt habe ich Blogtechnisch einiges aufzuholen. Ich könnte Euch jetzt von all den Dringlichkeiten, den wichtigen Artztgängen und der Herausforderung des Verwaltungswesens sich nicht in den Vorbereitungen zu verlieren berichten. Das lass ich lieber, ich will Euch doch nicht den Spaß am Lesen vermiesen.

Stattdessen habe ich etwas Erstaunliches zu erzählen! Meine Organisation hat Anfang August eine Mitreisendenliste für uns Teilnehmer ausgestellt. Innerhalb kürzester Zeit hat mich ein Mädchen angeschrieben, da wir am selben Tag fliegen. Wir fliegen zur selben Zeit, im selben Flieger und wie es scheint, ist sie mindestens genau so verrückt wie ich – perfekt! Erst jetzt merke ich, dass es viel angenehmer ist, wenn man weiß, dass man nicht allein ist. Zu Beginn war genau das mein Anliegen – frei zu sein und die Wege zu gehen, die ich gehen möchte. Ich wollte kein Anhängsel haben, das mich in meinen Wünschen und Reisen behindert. Doch Annabell hat die gleichen Pläne wie ich. Sie ist ebenfalls unentschlossen was sie nach dem Abi machen möchte, hat eine Studienrichtung als Idee, aber wird diese sicherlich wieder umwerfen. Weshalb sollten wir beiden Blondies nicht gemeinsam Kanada rocken? 

Gefühlt bin ich schon lange drüben. Ich wandle nur noch durch die Dresdner Straßen, zähle die Tage und befinde mich eigentlich schon mit Backpacker-Rucksack in Toronto.

Eure Vanessa

#Siebenundsiebzig

Mittwoch, 05.06.2013

Noch 77 Tage...

Dann geht der Zug nach Frankfurt und von dort aus, der Flug in mein neues Leben, zumindest das, was mich in den nächsten 6 Monaten erwarten wird...

Am 21. August fliege ich mit Lufthansa nach Toronto, direkt in mein 19. Lebensjahr hinein - weshalb den einen Geburtstag zu Haus noch abwarten, wenn man ihn nicht mit Stuartdessen feiern kann! Ein Geburtstag in 10.000m Höhe hat schon seinen gewissen Reiz.

Das Abi ist geschafft, die Feier zur Volljährigkeit liegt bereits ein Jahr zurück - ein Auto blieb mir verwehrt, weshalb sollte ich die bevorstehende Zeit nicht nutzen, um endlich meinen Traum zu verwirklichen? Seit der Oberstufe rede ich von der Idee mal nach Kanada zu gehen. Ausgelöst hat das 2011 ein Austauschreferendar aus Québec - von unvorteilhafter Kleinwüchsigkeit, dunkelhaarig, Gesicht so rund wie die Brille, Dreitagebart & Conversesneaker. Es war die Art wie er Französisch gesprochen hat: Slang-Amerikanisch-Französisch als würde ihn ein Kaugummi am klaren Sprechen hindern. 

Zu Beginn der 11. Klasse habe ich dann begonnen mich aktiv mit dem Land der Größe eines Kontinents auseinanderzusetzen. Ich war begeistert von dem nordamerikanschen Kanada - von der Tatsache, dass es einen zweiten abgelegenen europäischen Teil gibt, in dem Französisch gesprochen wird, ein Land in dem die Menschen freundlicher nicht sein können und den endlosen Weiten zahlreicher Landschaftsgebilde und natürlich den Tieren... Ich muss einfach dort hin! Bis dahin hätte niemand gedacht, mich so schnell nach dem bestandenen Abi loszuwerden. Die erste Reaktion meiner Omi: "In Frankreich sprechen die doch auch Französisch, weshalb musst du dann so weit weg?"

Genau aus diesem Grund: Es ist weit weg!

Zwar habe ich nicht den geringsten Druck Dresden fluchtartig zu verlassen (dabei steht uns zur Zeit das Hochwasser bis zum Hals), dennoch habe ich das Gefühl, dass mein nächster Schirtt in die Selbstständigkeit, der des Reisens sein soll. Wozu sonst habe ich mich mit meinen Mitschülern 3 Jahre lang abgemüht ein Doppelabitur auf Deutsch und Französisch zu schreiben? Gerade deshalb muss ich meine sparsamen Französisch-kenntnisse erweitern und mein Englisch, das auf der Strecke geblieben ist, unbedingt auffrischen. 

Kanada ich komme!

Zweieinhalb Monate noch, die Zeit rast und ich nähere mich meiner Destination. Hoffentlich holt mich ein Elch am Flughafen ab - mit Ahornblatt im Maul - und begleitet mich ins Hostel - in meiner Vorfreude habe ich im Übrigen schon einmal nachgeschaut was genau mich erwartet. Zum Glück sieht es dort nicht aus wie in der Auberge de Jeunesse in Paris. Meine Kursleute die dabei waren, wissen wovon ich spreche - Toilette mitten im Zimmer, die Papptür war überflüssig, man konnte sowieso alles hören, geschweige denn riechen und die Feuchtigkeit im Zimmer hat es den Klamotten nicht ermöglicht, nach Dauerregen zu trocknen. 

Aber in Kanada wird sowieso alles anders sein! Die Euphorie verdrängt den Pessimismus und die Angst vor jeglichem Problem. Ich werde das Land schon auf den Kopf stellen, komme was wolle!